Der Ring der Marquise

Während meiner Bachelorarbeit über den modischen Einfluss der Madame de Pompadour und der Marie Antoinette zu forschen, war eine der spannensten Recherchen, die ich je gemacht habe. Täglich kamen neue Details ans Licht, welche meine These bestätigten, dass man beide Frauen als wahre „Influencerinnen“ bezeichnen kann. Wusstet Ihr zum Beispiel, dass einer der beliebtesten Verlobungsringe heutzutage auf die Madame de Pompadour zurückgehen soll?

François Boucher: Portrait de la Marquise de Pompadour. 1756. Öl auf Leinwand. 201x157cm. Alte Pinakothek. München

Die berühmte Mätresse war bekannt für ihre Liebe zur Mode und außergewöhnlichen Accessoires. So wird sie in den Gemälden ihres Lieblingsmalers Francois Boucher auch stets eindrucksvoll in den opulentesten Roben dargestellt. Die Schönheit der Madame de Pompadour springt dem Betrachter hierbei stets sofort ins Auge. Auch historischen Aufzeichnungen zufolge wird der Mätresse Anmut, Eleganz und Schönheit zugeschrieben. Doch dies kam nicht von ungefähr. Die für den Rokoko typische „Morgen-Toilette“ beeinhaltete ein stundenlanges Ankleide- und Schminkritual der Schönen und Reichen bei Hofe. Francois Boucher stellt in seinem Werk diese Prozedur eindrucksvoll dar.

François Boucher: Madame de Pompadour à sa toilette. 1758. Öl auf Leinwand. 81x63cm. Fogg Art Museum.Cambridge.

Die Madame de Pompadour sitzt an Ihrem Schminktisch und ist gerade dabei Rouge auf die Wangen zu tupfen. Die blass gepuderte Haut wird von stark betonten Wangen ergänzt. Der herzförmige Mund erstrahlt in roséfarbenem Glanz. Freundlich und selbstbewusst schaut sie den Betrachter direkt an. Eine romantisch schöne Inszenierung des täglichen Schönheitsrituals der Madame de Pompadour, welches den König Louis XV. inspiriert haben muss. Denn laut einer Ankedote ließ er für seine geliebte Mätresse einen Ring als Geschenk anfertigen, welcher die Form der Lippen der Madame de Pompadour haben sollte. Die Hofjuweliere machten sich sogleich ans Werk und schufen einen Ring mit sogenannten „Marquise-Schliff“. Da der französische Hof der Mätresse des Königs jedoch nicht besonders wohlgesonnen war, ließ sich der neumodische Ringschliff zu Lebzeiten der Pompadour nicht unter deren Namen verkaufen. So bezeichneten die schlauen Hof-Juweliere den Diamantschliff fortan als „Navette“ (übersetzt „Schiffsform“), welche sich bei der modebegeisterten Hautevolee des Rokokos eher durchsetzen konnte. Doch bereits nach dem Ableben der Madame de Pompadour fand man zu der ursprünglichen Bezeichnung des Accessoires zurück. Die Anekdote rund um das romantische Geschenk des Königs ist sicher einer der Gründe dafür, dass sich der Marquise-Schliff bis heute als beliebte Form von Verlobungs- und Hochzeitsringen gehalten hat.